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Website Plagiat gefunden … und jetzt, was tun?

Vor rund einem Jahr hatten wir bei Themeforest ein template entdeckt, welches doch auffällig viele Ähnlichkeiten mit den Designelementen unserer eigenen Seite aufwies. Vermutlich hatte sich der Designer zu sehr inspirieren lassen, wobei man natürlich darüber streiten kann, ob bereits die Übernahme von Designelementen mit einem hohen Schaffensgrad gleich eine Raubkopie darstellt. Wesentlich deutlicher aber sind die Plagiate, die uns in den vergangenen Wochen aufgefallen sind: Da haben sich Webdesigner nicht nur an Teilen der Seite bedient, sondern die gesamte Website mehr oder weniger kopiert und ein paar textliche und kleinere grafische Anpassungen vorgenommen.

Eine weitgehende 1:1 Kopie einer Seite kommt sicherlich weniger häufig vor, meiste werden nur Designelemente geklaut

Ärgerlich ist nicht nur, dass die kreative Leistung samt dem Aufwand für die Erstellung der Seite geklaut wurde, sondern der Umstand, dass die vom Auftraggeber teuer erworbene und für ihn individuell zugeschnittene Seite zum Allgemeingut wird.

Wie geht man nun mit einem Website Plagiat um …?!

Meist entdeckt man Plagiate zufällig: Die kopierten Seiten sind oftmals nur oberflächlich „angepasst“, nicht sichtbare Texte werden nicht vollständig ausgetauscht, Referenzierungen auf die (originale) Domain verbleiben im css oder Scripte werden übernommen; wirklich alle Spuren lassen sich nur mit entsprechenden Aufwand beseitigen. So tauchen die Plagiate in Google auf, manche findet man bereits mit dem Suchoperator „related:“. Einfacher ist es, wenn man einen genaueren Blick in die Online-Statistik wirft: Tauchen hier Keywords auf, die man sich nicht erklären kann oder sieht man URLs von referer-Seiten, die völlig unbekannt sind, lohnt ein Blick auf die entsprechenden Seiten. Wem das Suchen  zu lästig ist, dem kann Plagaware nützlich sein, ein Dienst, der innerhalb von einem Tag zu einer zuvor definierten URL solche Seiten sucht, die Plagiate sein könnten.

Ist ein Plagiat enttarnt, stellt sich die Frage, wie man damit umgeht. Es gib mehrere denkbare Wege:

  1. Das Unikat soll eins bleiben, die Schaffensleistung des Designers geschützt und der Betreiber der Seite soll sein Alleinstellungsmerkmal behalten. Auf zum Anwalt! Der freut sich über den Auftrag und äußert gleich ein paar Bedenken: Selbst wenn der Betreiber des Plagiats in Deutschland sitzt, ist das nicht soooo einfach. Man kann auf Unterlassung klagen, wenn zweifelsfrei klar ist, dass Elemente mit einem hohen Schaffensgrad übernommen wurden (insbesondere Texte und Bildelemente). Code fällt mitunter nicht unter diese Regel, aber auch das hängt davon ab, wie einzigartig der Code ist. Alles schwierig. Hat der Betreiber des Plagiats seinen Geschäftssitz im Ausland, kommt noch das jeweilige nationale Urheberrecht dazu (das mitunter den Verstoß ganz anders bewertet), ohne Korrespondenzanwalt geht sowieso nichts, das riecht nicht nur nach richtig teuer, das wird es auch.
  2. Ein Mail an den Betreiber des Plagiats könnte helfen. ggf. wurde dieser von der Agentur getäuscht und weiß nicht, dass es sich um ein Plagiat handelt. In diesem Fall nimmt der Betreiber die Seite vielleicht vom Netz. Vielleicht. Hat die Firma aber Ihren Betriebssitz in Südamerika oder Indien, schwinden die Chancen schon deutlich, denn warum soll dort jemand ohne Not -weitab vom Kläger- die Kosten auf sich nehmen, die Seite neu erstellen zu lassen?
  3. Man dreht den Spieß um. Geht nicht gegen das Plagiat vor, sondern schreibt darüber. Zeigt, dass man weiß, dass es Fälschungen gibt und man damit auf eine humorvolle Art umzugehen weiß. Ob das allerdings der goldene dritte Weg ist, hängt letztlich davon ab, wie die eigenen Besucher darauf reagieren und ob dem Betreiber der Seite durch das Plagiat ein wirtschaftlicher Schaden entsteht. Dann wäre diese Variante keine Alternative.

Für den dritten Weg haben wir uns entschieden: Solche Vergleiche sind amüsant zu lesen und zeigen, dass die eigene Seite offenbar ankommt, also „begehrt“ ist. Stellt den Besuchern der „echten“ Seite gegenüber klar, welche Seite das Original ist und man stellt sich nicht auf eine Ebene mit den Dieben, um letztlich doch den Kürzeren zu ziehen.

Clone Awards Badge Wir haben eine eigene Plagiat Seite gebaut und mit Clone Awards versehen, verleihen den besten Raubkopien einen Award in Form eines Badges, schreiben die Betreiber der Seiten an, beglückwünschen diese zum Gewinn und bitten darum, den badge auf die kopierte Seite einzubinden. Dass das nicht passiert, ist eigentlich klar, aber wir sind auf die Reaktionen gespannt.

 

Update

Es hat uns ja schon interessiert, ob sich Design-Plagiate auch über entsprechende Tools finden lassen, beispielsweise plagaware.de oder copyscape.com. Die Tools haben wir ausgiebig getestet, diese finden in der Tat Seiten mit ähnlichem oder identischem Content. Aber ein übernommenes Design, egal wie nahe am Original, lässt sich mit diesen Tools nicht aufspüren. Auch Google’s Bildersuche ist da wenig hilfreich. Da bleibt wirklich nur der Weg, auffällige referer in der Statistik genauer anzuschauen.

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